Afghanische Familie

„Wo das Wort von zu Hause bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg.“ Dietrich Bonhoeffer

Im Oktober 2015 konnten wir eine Grossfamilie aus Afghanistan im alten Gasthaus unseres Dorfes willkommen heissen. Wochenlang renovierten, putzen und dekorierten wir, um unsere Gäste angemessen zu empfangen.

Wochenlang war die Familie auf der Flucht gewesen, tausende von Meilen zu Fuss, im Schlauchboot übers offene Meer, mit kleinen Kindern von Land zu Land, von Lager zu Lager bis sie endlich die Deutsche Grenze passieren konnten. Drei Monate waren sie in einem deutschen Aufnahmelager bis sie zu uns kamen. Die erste Frage die Mecid, Vater von sieben Kindern uns stellte war: „Wie lange dürfen wir bleiben?

Willkommen! خوش آمد

Bis zuletzt war nicht klar, wer zu uns kommt, aus welchen Land oder Hintergrund, ob Familie oder elf Einzelpersonen. Die Behörden versuchten ihr Bestes, doch überall wurde noch nach Struktur und Form gesucht. Eine Bürgerversammlung mit Bürgermeister wurde eingerufen, weil viele Einheimische kritisch über unser Vorhaben dachten. Es waren stürmische Zeiten!

Schon vom ersten Tag gab es ein herzliches Miteinander, wir besuchten die Familie regelmässig zum Essen, verbrachten Kennenlernzeit beim Tee, auch Nachbarn kamen vorbei und ein Helferteam entstand. 18 Monate unterstützen wir die Grossfamilie dabei in Deutschland anzukommen. Es gab immer viel zu tun, Support bei Arztbesuchen, Behördengängen, Ausfüllen von Formularen, Anmeldungen für Schule-Kindergarten, Zeit für Gemeinschaft etc.
Besonders schön waren die Zeiten des „Nichtstuns„.
Die Stille Afghanischer Gastfreundschaft zu geniessen mit ihren leckeren, selbstgemachten Köstlichkeiten und „Chai“ mit viel Zucker (afghanischer Schwarztee). In unserer Denkweise „mein Haus, mein Garten“ entdecken wir bei ihnen ein immer offenes Haus, indem jeder zu jeder Zeit willkommen ist.
Viele Kleider-und Spielzeugsspenden erreichten das Refugeeum in den Anfangsmonaten, unsere Familie war bestens versorgt! Hilfreiche Spenden wie Geschirr, kleine Teppiche, Babysachen kamen auch von direkten Nachbarn des Gasthauses und andere Dorfbewohner brachten selbstgebackenem Kuchen, um die Familie kennenzulernen.

Heute lebt die Familie in einer Wohnung in Stadtnähe, immernoch vermissen sie die Zeit im Gasthaus, geniessen aber auch ihr Eigenleben und die kurzen Wege zur Schule und Kindergarten. Alle 7 Kindern sprechen mittlerweile fliessend Deutsch, die Eltern lernen und immernoch stehen wir im herzlichen Kontakt miteinander.